Landesverband für Unterwasserarchäologie

Mecklenburg-Vorpommern

Dokumentationsworkshop 2025 – digital

2. Februar 2026

Für das Jahr 2025 hatte die offene Forschergruppe „Die Wrackforscher“ rund um Silke und Philip von Treskow zu einer Forschungskampagne vor Rügen eingeladen. Ziel war es einen besonderen Wrackbefund zu untersuchen, welcher 2014 nach Hinweisen von Fischern auf offener See entdeckt worden war. Silke und Philip durften an den auf die Entdeckung folgenden Erkundungstauchgängen teilnehmen und hatten sich zum Ziel gesetzt, mehr über diesen Befund heraus zu finden. Neben den klassischen Dokumentationstechniken Zeichnen, Foto und Video sollten die Befunde nun auch erstmals mittels SFM (Structure from Motion) in 3D dokumentiert werden.

Niedergang zur Bugkajüte des als „Dampfschleppers“ interpretierten Wrackbefunds (Foto: Steffen Schmitt)

Aus unserer Sicht war dies ein klarer Fall für unser Angebot des Dokumentationsworkshops. Dieser ist darauf ausgelegt die vorhandenen Fähigkeiten der Tauchenden im praktischen Einsatz weiter zu entwickeln und neue Verfahren einzubinden. Die 3D-Dokumentation ist hierbei seit Jahren ein fester Bestandteil des Konzeptes. Philip sah das Ganze allerdings skeptisch: für ihn stand ein fertiges Modell am Ende der Forschungskampagne im Mittelpunkt und nicht zwingend der Lernerfolg. Zudem, so argumentierte er, läge das Ziel auf offener See, sei von der Witterung her anfällig und innerhalb der Kampagne müsse daher jede Minute zur Dokumentation genutzt werden. Die notwendigen Fähigkeiten müssten zuvor vermittelt und geübt werden, sodass im Einsatz alle ihren Teil umsetzen können. Weiter sei das Einsatzteam international zusammengesetzt und die Teilnehmenden hätten für den Einsatz teils weite Anreisewege. Im Vorfeld ein separates Trainingscamp zu veranstalten wäre da wenig zielführend.

Blick in die Bugkajüte des „Dampfschleppers“ durch die Öffnungen im Rumpf (Foto: Steffen Schmitt)

Die Lösung war eine digitale Variante des Dokumentationsworkshops durchzuführen. Basierend auf den allgemeinen Erfahrungen aus der Corona-Zeit war die Funktionsweise von Videokonferenzen allen Teilnehmenden geläufig und die für die Erläuterungen etc. verwendeten Bilddaten und Informationen lagen bereits digital vor. Auf diese Weise starteten wir am 06. Februar unser Projekt mit der ersten Videokonferenz. Sich kennen lernen, die eigenen Fähigkeiten austauschen und weiterentwickeln gingen Hand in Hand. Zwischen unseren virtuellen Treffen erwies sich unsere eingerichtete WhatsApp-Gruppe als veritabler Weg offene Frage zu klären, kleinere Probleme anzusprechen und Lösungen zu generieren. Gemeinsam entwickelten wir so die notwendige Prozesskette aus Logistik, Technik, Datenerfassung, Datenübertragung, Bildaufbereitung etc.

Die Erosion setzt den Bordwänden zu: abgelöste Rumpfplatte erweitert vorhandene Öffnungen (Foto: Steffen Schmitt)

In der ersten Aprilwoche waren die Vorbereitungen soweit, dass ein erster Feldversuch ins Auge gefasst werden konnte. Hierzu trafen sich einige Workshop-Teilnehmenden Ende April in Hemmoor und testeten Technik, Logistik, verschiedene Aufnahmetechniken und die entwickelte Prozesskette auf Herz und Nieren. Die Auswertung der Testergebnisse erfolgte dann im Mai wieder gemeinsam über die mittlerweile etablierten Wege, sodass alle Teilnehmenden bestens vorbereitet in die vom 06. bis 15. Juni geplante Forschungskampagne starten konnten.

Konstruktionsteil an Deck des „Dieselschleppers“ Luke? (Foto: Steffen Schmitt)

In Schaprode war am 6. Juni das Einsatzzentrum der Kampagne vorbildlich eingerichtet worden und bis zum abendlich angesetzten Briefing waren auch alle Teilnehmenden gut eingetroffen. Ziel der Kampagne: die Dokumentation von zwei Schlepperwracks weit vor der Küste, am Nordrand des Plantagenetgrundes in Foto, Video, Zeichnung und 3D. Die ersten Erkundungstauchgänge in 2014 versprachen sehr gut erhaltene Befunde mit zahlreichen interessanten Details wie Geschirr, Schiffslampen, Schiffsantriebe etc. Die im Achterschiff beider Wracks erhaltenen Schleppeinrichtungen machten die funktionale Ansprache der Befunde als Schlepper eindeutig. Zudem ließen sie sich über die Schiffsantriebe in einen Dieselgetriebenen und einen Dampfgetriebenen Schlepper unterteilen. Auf dem Dieselschlepper war 20214 außerdem noch der Namenszug „MANNHEIM“ auf dem Achterschiff erkennbar gewesen. Einziger Negativpunkt im Briefing war das Wetter – kniffelige Bedingungen mit beachtlichen Windböen. Für den Nachmittag des Folgetage war allerdings eine Beruhigung prognostiziert, sodass die Chancen auf einen ersten Tauchtag gegeben waren.

Das Konstruktionsteil der Detailaufnahme lässt sich über das 3D-Modell eindeutig als Tür des ehemaligen Deckshauses erkennen (Modelle: Kai Schaake und Tim Ollman)

Am Folgetag machte sich die Professionalität aller Teilnehmen und die gute Vorbereitung der Dokumentation bezahlt. Trotz des wetterbedingt kurzen Zeitfensters an den Befunden konnten beide Wracks in Foto und Video dokumentiert sowie zahlreiche Details im Protokoll erfasst werden. Die Schlechtwetterperiode der darauf folgenden Tage ermöglichte es dem 3D-Team dann die Daten zu sichten, zu übermitteln und erste Modelle zu berechnen. Gemeinsam wurden die Modelle dem Einsatzteam vorgestellt. Es wurden die Stärken und Schwächen analysiert, die Aufnahmemethodik durchgesprochen und mögliche Veränderungen angeregt. So vorbereitet gelangen dem Dokumentationsteam weitere Aufnahmen, sodass die vorliegenden Modelle deutlich verbessert werden konnten. Weiter gelang es dem Wrackzeichner Alexey zum Abschluss der Kampagne auch noch die detaillierten Beobachtungen am Befund eindrucksvoll mit den maßstäblichen Modellen zu verknüpfen. Auf diese Weise entstanden Zeichnungen der beiden Befunde auf denen der Muschelbewuchs künstlerisch entfernt wurde, wodurch sich die zahlreichen Details dem Betrachter erschließen.

3D-Modelle der beiden Befunde in der Draufsicht (Modelle: Kai Schaake und Tim Ollmann)

Als Fazit können alle Teilnehmenden somit auf eine erfolgreiche Kampagne zurück blicken, deren Ergebnisse mit gutem Gewissen stolz präsentiert werden können. Zudem wurde unser Dokumentationsworkshop quasi nebenbei zu einem Digitalkonzept weiter entwickelt, welches zukünftig unser bisheriges analoges Präsenzangebot sinnvoll ergänzt. Vielen Dank daher allen Mitwirkenden an dieser Stelle.

Schattierte Zeichnungen der beiden Schlepper ohne Muschelbewuchs. (Zeichnung: Alexey Konovalow)