Landesverband für Unterwasserarchäologie

Mecklenburg-Vorpommern

Archäologie modern vermitteln: Maritimes Kulturerbe aus den Gewässern MV’s – digital und in 3D

5. Dezember 2022

Eine zukunftsweisende Aufbereitung und Darstellung von Unterwasser-3D-Daten präsentierte die Gesellschaft für Schiffsarchäologie e.V. (GfS) erstmals anlässlich des Stadtteilfestes 750 Jahre Dorf Schmarl am 18.06.2022 in der Öffentlichkeit. Hierbei beantworteten die Mitglieder der GfS den Besuchern des Festes auf eindrucksvolle Weise, was die Digitalisierung von Kulturerbe unter Wasser alles kann. Zu sehen waren digitale Modelle von Fundplätzen aus den Gewässerns Mecklenburg-Vorpommerns und maßstabsgerechte 3D-Drucke der archäologischen Befunde zum Anfassen. Das Highlight war ein virtueller Tauchgang zu einem gesunkenen, 100 Jahre alten Schlepper, welcher in 9 Metern Wassertiefe keine 2 km vor dem Hotel Neptun in der Warnemünder Bucht liegt.

Abb. 2: 3D-Modell des Schleppers in der VR-Ansicht des Nutzers. (Bild: GfS & Fraunhofer IGD)

Ermöglicht wurde dies durch die Zusammenarbeit der GfS mit Forschenden des Fraunhofer-Instituts für Graphische Datenverarbeitung. Diese spielten das im Rahmen von Tauchuntersuchungen durch die Mitglieder der GfS 3D-digitalisierte Schiffswrack in eine virtuelle Umgebung ein. Die Besucher und Besucherinnen gewinnen nun dank einer VR-Brille den Eindruck über den Meeresgrund und durch das Wrack tauchen zu können.

Abb. 3: VR-Set im Einsatz: VR-Brille und zwei Controller. Der Bildschirm zeigt das Sichtfeld des Nutzers für die Unterstützung durch den Operator und die Einbeziehung der umstehenden Gäste. (Bild: GfS, M.Siegel)

Die im Rahmen der archäologischen Dokumentation erstellten Aufnahmen und 3D-Modelle sowie die im Projektverlauf gewonnenen Erkenntnisse sind von besonderer Qualität und beeindruckten nicht nur die Mitglieder der GfS, sondern auch die im Projekt beteiligten Archäologen. Dank der unterwasserarchäologischen Untersuchungen, der erhobenen Daten und Recherchen der GfS ließ sich durch die Firma Alpha3 sogar eine aufwändige Modellierung umsetzen, die den vermutlichen Originalzustand des Schiffes zeigt.

Abb. 4 : Virtuelle Rekonstruktion des Wracks durch die Firma Alpha3. (Bild: GfS, Alpha 3 & Fraunhofer IDG)

Neben den Dokumentationsarbeiten an der Schiffshülle konnten im Inneren des Schiffswracks auch Teile des Inventars geborgen werden. Weiter gelang es im Rahmen der Dokumentationskampagne auch die Öffentlichkeit für den historischen Wert des Schiffswracks und seines Fundinventars zu sensibilisieren. Besonders freute es die Mitarbeitenden der GfS und zuständiger Behörden, dass durch diese öffentliche Aufmerksamkeit Einzelfunde wieder zurück in den Fundkontext gelangten, die in den Vorjahren durch Unbekannte entwendet worden waren. So konnten der Schiffskompass, Geschirr und sogar das Werftschild ebenfalls digital konserviert und in den virtuellen Tauchgang integriert werden. Im Wrack sind sie nun für den virtuell Tauchenden an ihren überlieferten Fundorten platziert. Sie lassen sich mittels der Controller anfassen und zur detaillierten Betrachtung drehen. Weiter können im virtuellen Wrack zahlreiche Informationstafeln aktiviert werden, sodass sich für den jeweiligen Blickwinkel wichtige Informationen zum Befund ablesen und entdecken lassen.

Abb. 5: Aktivierte Infotafel in der virtuellen Rekonstruktion. (Bild: GfS & Fraunhofer IDG)

Für die Beantwortung weiterer Fragen, technischer Details oder den Hintergründen von Wrack und virtueller Realität standen die Kooperationspartner des Fraunhofer-Instituts und der Gesellschaft für Schiffsarchäologie e.V. Rede und Antwort. Mit den vor Ort vorgestellten verschiedenen Präsentationsformen von Kulturgütern in 3D aus den Gewässern Mecklenburg-Vorpommerns möchte der Verein die neuen Möglichkeiten der Digitalisierung hervorheben. So können archäologische Fundstätten zukünftig als Allgemeingut zugänglich gemacht und als Zeugen der lokalen maritimen Geschichte in Museen, Uni und Schule, für Wissenschaft, im virtuellen oder öffentlichen Raum präsentiert werden.