Das Freiwassermuseum und Nitrox – ein Gewinn
6. November 2024
In den vergangenen Jahren fand die Nutzung von Nitrox Atemgasen in der Sporttauchszene immer breitere Anwendung. Zwar kostet die Flaschenfüllung mit Nitrox etwas mehr und die Tauchenden benötigen eine entsprechende Qualifizierung, dafür verlängert sich aber die Grundzeit am Objekt, die notwendigen Oberflächenpausen dagegen verkürzen sich. Beides Vorteile, die speziell im Freiwassermuseum zum Tragen kommen. Die Besichtigungsobjekte (Schiffswracks) liegen auf dem Meeresgrund und bedingen ein kastenförmiges Tauchprofil: abtauchen, anschauen des Objektes in der Zieltiefe und auftauchen. Die verlängerte Nullzeit bedeutet somit mehr Zeit am Wrack, mehr Details, mehr Fotos und eine größere Anzahl an Tauchgängen pro Tag.
Zwar ist die Tauchtiefe mit dem gängigen EAN32 Gemisch auf rund 33 m limitiert, doch lassen sich damit viele der bekannten Wracks vor unserer Küste erreichen. Einzig die im Arkonabecken nördlich und nordöstlich von Rügen liegenden Wrackfunde liegen zum Teil tiefer. Nitrox bietet somit den perfekten Einstieg in das technische Tauchen und veranlasste uns 2024 einige anspruchsvollere Wracks in die Liste unserer Tauchziele aufzunehmen.
Das Drei-Teile-Wrack
Dieses Wrack ist ein anspruchsvolles Tauchziel. Es wird in der Denkmaldatenbank als Hiddensee 84 geführt und liegt etwas über 9 km nördlich der Insel Hiddensee inmitten des Arkonastroms in etwa 21 m Tiefe. Diese küstenparallele Strömung umfließt das Wrack mit einer beachtlichen Geschwindigkeit mal von Südwest nach Nordost und dann wieder anders herum, je nach Witterung. Wracktauchen ist dort nur in den kurzen Phasen des Richtungswechsels der Strömung möglich und auch die Anfahrt kann aufgrund sich bildender Kreuzseen eine erhöhte Seefestigkeit der Teilnehmenden erfordern. Das Wrack bietet auf einer Länge von rund 50 m zahlreiche Details. Highlights sind die über dem Bug erhaltene Ankerwinde, der Dampfkessel und die achterlich liegende Dampfmaschine. Die Identifikation des Wracks wurde in der Vergangenheit kontrovers diskutiert und ist bislang noch nicht abgeschlossen (siehe Beitrag „Hiddensee 84“ vom 20.03.2013).

Das Zementfässerwrack
Das Wrack liegt in 26 m Tiefe etwas über 7 km östlich des Fischerdorfes Vitt nahe Kap Arkona am Nordrand der Tromper Wiek. In dieser Wassertiefe ist die Ostsee in der Regel kalt und dunkel, sodass diese Wrack nur mit erfahrenen Tauchern mit entsprechend kaltwassertauglicher Ausrüstung angefahren wird. Der Befund ist in Fragmenten erhalten, 18 m lang und 6 m breit. Er steht aufrecht auf sandigem Grund und wurde 1997 durch das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) entdeckt. Zwischen den aufragenden Fragmenten des Spantgerüstes sind 30 Fassreste mit verfestigtem Inhalt erhalten. Die zementartige Masse der Fassinhalte ist teils noch von Holzresten umgeben und inspirierte die Taucher dem Wrack die Arbeitsbezeichnung „Zementfässerwrack“ zu geben. Vermutlich handelte es sich bei dem Schiff einst um den Schoner Johanna mit einer Größe von 61 NRT. Die Johanna sank im Jahre 1892 in diesem Seegebiet mit einer Ladung Gips, welcher zum Schutz vor Feuchtigkeit in Fässern transportiert wurde.

Holzschoner Clytia
Rund 13 km nördlich von Lohme vermerkte das BSH einst das imposante Wrack des Holzschoners Clytia mit einer Höhe von 7 m über Grund. Ob durch Stürme oder andere Ursachen zerstört, bleibt unklar, doch blieb es in den frühen 1990igern unauffindbar, bis es 1995 durch die Bundesmarine wieder aufgespürt werden konnte. Die Reste des Wracks liegen in 28 m Tiefe, die Decks sind eingestürzt, die Planken abgelöst und das Spantgerüst stark erodiert. Viele der Hölzer finden sich noch vor Ort und der Vordersteven ragt noch trotzig in die Höhe. In dem Gewirr blieben zahlreiche Details erhalten und dem aufmerksamen Beobachter kann sogar eine Blick auf die Schiffsschraube gelingen.
