Freiwassermuseum vor Rostock-Warnemünde: Neue Tauchziele im Programm
5. Mai 2026
Seit Oktober 2025 werden im Rahmen unseres „Freiwassermuseums“ auch im Seegebiet vor Rostock geführte Tauchtouren angeboten. Organisiert werden diese durch die Gesellschaft für Schiffsarchäologie Rostock e.V. (GfS). Wie alle unsere Aktivitäten im Freiwassermuseum richtet sich das Angebot an erfahrene Taucher mit min. 60 geloggten Tauchgängen und einer der Ostsee angepassten, kaltwassertauglichen Ausrüstung.

Die Ausfahrten starten aktuell am Vereinssitz der GfS in Dorf Schmarl nahe des Jugendschiffes Likedeeler. Dort gibt es erschwingliche Parkplätze und Räumlichkeiten zum Umkleiden etc. Zu jedem der Tauchziele gibt es vor dem Tauchgang ein ausführliches Briefing. Ergänzend zu der üblichen Einweisung zu Tauchtiefe, Gefahren und Herausforderungen vor Ort, Notsignalen etc. werden hierbei auch die Geschichte und die archäologischen und denkmalpflegerischen Besonderheiten des Tauchziels vorgestellt. Anhand gedruckter 3D-Modelle und einer Befundkarte werden sensible Bereiche hervorgehoben und denkmalgerechtes Verhalten besprochen. Ebenso sind dort natürlich auch die Highlights des Tauchziels vermerkt, sodass diese identifizierbar und auch bei schlechter Unterwassersicht durch die Taucher auffindbar sind.

Das Konzept des denkmalgerechten Tauchens beginnt bereits bei der Anfahrt des Tauchziels. Zum sicheren Ab- und Aufstieg der Tauchenden zum Wrack wird mittels GPS und Echolot eine Markierungsboje neben dem Wrack platziert. So können sich die Tauchenden über dem Meeresboden am Grundgewicht in aller Ruhe sammeln, ohne den archäologischen Befund durch Flossenschlag etc. zu gefährden. Hier beginnt und endet auch der Tauchgang rund um das Wrack, sodass alle Tauchenden die Bojenleine zur Orientierung für ein sicheres Austauchen nutzen können. Das Tauchziel selbst kann am Meeresgrund dann wahlweise mit dem Diveguide in größerer Gruppe oder eigenständig mit dem Buddy erkundet werden.

Das am besten erforschte Tauchziel im Freiwassermuseum vor Rostock ist der „Schlepper“ (Rostock-Ost 88) vor Warnemünde. Das Wrack liegt kaum 2 km vor Warnemünde in 9 m Wassertiefe und war sehr detailreich erhalten. Es wurde im Jahr 2009 im Verlauf von Sonar-Untersuchungen vor Rostock durch eine Arbeitsgruppe des IOW entdeckt. Bereits zwei Jahre später wurden erste Plünderungen am Wrack und starke Beschädigungen durch Anker dokumentiert. Bei seiner Ersterfassung konnte im Vorschiff die Kajüte festgestellt werden. Neben Spülbecken aus Keramik mit Besteck und Herd fanden sich in den Resten der ehemaligen Spinde sogar noch Schuhe und Textilien. Im Zuge der genannten Eingriffe wurde vieles zerstört, sodass in den Folgejahren intensive Dokumentations- und Sicherungsarbeiten notwendig wurden, um den Befund zu erhalten. Ausgeführt wurden diese Arbeiten durch die Mitglieder der GfS, welche hierdurch auch viele neue Erkenntnisse zu dem Wrack gewinnen konnten. Details hiervon erfahren die Tauchenden im Briefing vor dem Tauchgang, um die Geschichte des Wracks anschließen am Befund selbst in Augenschein zu nehmen.
Wieder zurück an der Basis bietet die GfS Interessierten noch einen virtuellen Tauchgang zum Schlepperwrack an. Mit der VR-Brille lassen sich nochmal viele Details am Wrack und der Zustand von 2021 nachvollziehen.

Ein weiteres Highlight unter den Tauchzielen vor Rostock ist der „Seeleichter“ (Rostock-Ost 28). Das Wrack wurde im Rahmen der Luftbildprospektion des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege MV im Jahr 1997 nordöstlich vor Markgrafenheide entdeckt. Es liegt in relativ geringer Tiefe, auf sandigem Grund. Die küstenparallele Strömung am Tauchplatz bringt beständig frisches Wasser zum Befund und sorgt in der Regel für gute Sichtbedingungen. So bot sich den Tauchern bei unseren beiden Besuchen im Rahmen des Freiwassermuseums ein wunderbares Taucherlebnis. Hierbei ließen sich in dem über drei Fundareale erstreckenden Wrack viele Details erkunden.
